In wenigen Wochen darf ich die Schweiz an den WorldSkills in Shanghai vertreten. Möglich wurde das, nachdem ich im vergangenen Jahr die SwissSkills in der Disziplin «Konstruktion» gewonnen habe. Dass ich einmal um die halbe Welt fliegen würde, um mich mit den besten jungen Berufsleuten zu messen, hätte ich zu Beginn meiner Lehre als Konstrukteur EFZ bei der Bühler AG in Uzwil nie gedacht. Es ist für mich aber persönlich eine riesige Motivation, beruflich nochmals einen Schritt weiterzugehen.
Mich hat schon immer fasziniert, wie Dinge entstehen. Wie aus einer Idee ein digitales Modell wird – und daraus schliesslich ein Produkt, das tatsächlich hergestellt und gebraucht wird. Genau deshalb habe ich mich vor einigen Jahren für eine Berufslehre entschieden. Was ich an der Ausbildung besonders schätze, ist die Verbindung von Schule und Praxis. Im Unterricht lerne ich die theoretischen Grundlagen, im Lehrbetrieb kann ich dieses Wissen direkt anwenden. Oft merkt man nämlich erst in der Praxis, weshalb etwas funktioniert oder nicht. Umgekehrt hilft mir das Wissen aus der Schule dabei, bessere Lösungen zu entwickeln. Diese Kombination finde ich eine der grössten Stärken unseres Berufsbildungssystems.
Bald schon durfte ich in der Firma immer mehr Verantwortung übernehmen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich nach meiner Grundausbildung einen Prototypen für ein Mahlwerk konstruieren und anschliessend mit einem 3D-Drucker herstellen durfte. Später konnte ich sogar die erste Konstruktion für einen Kunden erstellen. Zum ersten Mal hatte ich da das Gefühl, dass meine Arbeit nicht einfach eine Übung ist, sondern einen echten Zweck erfüllt und gebraucht wird. Wenn ich heute zurückblicke, wird mir bewusst, wie gross meine Entwicklung in den wenigen Jahren war.
Mindestens genauso wichtig wie das Fachwissen ist für mich das Vertrauen, das uns Lernenden entgegengebracht wird. Bei der Bühler AG wurde ich von Anfang an ermutigt, mitzudenken, eigene Ideen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Ich lernte rasch: Entscheidend ist nicht, keine Fehler zu machen, sondern aus ihnen zu lernen und dranzubleiben. Um ein guter Konstrukteur zu werden, braucht es Disziplin, Ausdauer und die Bereitschaft, an den eigenen Schwächen zu arbeiten. Gleichzeitig weiss ich auch, dass ich diesen Weg nicht allein gegangen bin. Während der ganzen Ausbildung durfte ich auf Menschen zählen, die mich unterstützt, gefordert und immer wieder motiviert haben. Auch wenn ich in Shanghai allein am Wettkampfarbeitsplatz stehen werde: Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass hinter mir ein ganzes Team steht.
Während meiner Lehrzeit habe ich jeden Tag erlebt, was die Berufsbildung in der Schweiz so besonders macht. Junge Menschen werden in den Unternehmen früh gefördert, sammeln praktische Erfahrungen und wachsen Schritt für Schritt an ihren Aufgaben. Lernende lernen nicht nur für Prüfungen, sondern für den Berufsalltag. So entwickeln sich Fachkräfte, die ihr Wissen direkt anwenden können. Ein weiterer Vorteil der Berufsbildung ist, dass der Weg nach der Lehre längst nicht zu Ende ist. Gerade in der Schweiz gibt es unzählige Möglichkeiten, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln – sei es mit einer Weiterbildung, einer Spezialisierung oder einem Studium. Mein Rat an andere junge Menschen ist deshalb: Bleibt neugierig und nutzt die Chancen, die sich euch bieten. Man weiss nie, wohin einen das einmal führt.
Zur Person: Lars Blumer (18) absolviert bei der Bühler AG in Uzwil die Ausbildung zum Konstrukteur EFZ und besucht parallel die Berufsmaturitätsschule BZWU in Wil-Uzwil. Vom 22. bis 27. September vertritt er die Schweiz an den WorldSkills in Shanghai – der Weltmeisterschaft der Berufe.
Diese Kolumne ist erstmals am 29.08.2026 in der Schweiz am Wochenende erschienen.