Strassen, Eisenbahnlinien, Spitäler: Infrastruktur ist für uns meist etwas Sichtbares. Kommunikationsnetze hingegen nehmen wir kaum wahr. Dabei prägen sie unseren Alltag ebenso stark: Wir können beinahe von überall ausarbeiten, bezahlen mit dem Mobiltelefon, nutzen Cloud-Dienste und erledigen Behördengänge online. In meinen 34 Jahren bei Swisscom habe ich erlebt, wie grundlegend digitale Anwendungen unseren Alltag verändert haben. Heute beschäftige ich mich mit Digitalisierungsprojekten und der Optimierung von Geschäftsprozessen. All diese Vorhaben hängen von leistungsfähigen Netzen ab. Fallen sie aus, verändert sich unser Alltag sofort.
Eine moderne Kommunikationsinfrastruktur muss zuverlässig, sicher und rund um die Uhr verfügbar sein – auch bei Unwettern oder Störungen. Wie wichtig verlässliche Verbindungen sind, zeigt sich besonders in Krisensituationen. Bei den Hochwasserereignissen der vergangenen Jahre im Maggiatal mussten Rettungseinsätze koordiniert, die Bevölkerung informiert und der Kontakt zu den Menschen vor Ort aufrechterhalten werden. Ein anderes Beispiel ist der Bergsturz in Blatten, wo Drohnen den Rettungsorganisationen rasch einen Überblick über das Gebiet lieferten. Solche Beispiele zeigen: Technologie ersetzt die Solidarität vor Ort nicht, aber sie hilft, sie wirksam zu koordinieren.
Verlässliche Netze sind jedoch nicht nur in Krisen gefordert. Auch saisonale Spitzen und Grossveranstaltungen stellen hohe Anforderungen an ihre Kapazität. In Locarno und Lugano steigt das Datenvolumen während der touristischen Hauptsaison deutlich an. Bei Grossveranstaltungen wie dem Locarno Film Festival oder dem «Moon & Stars» erhöhen kleine, fest installierte Mobilfunkanlagen – sogenannte Mikrozellen – die Kapazität vor Ort. Für einmalige Grossanlässe wie die Tour de Suisse setzt Swisscom dagegen mobile Antennen ein.
Zu einer verlässlichen digitalen Infrastruktur gehört aber auch der Schutz der Daten. Die Bevölkerung und unsere Unternehmen müssen wissen, wo ihre Daten gespeichert werden, wer darauf zugreifen kann und wie sie geschützt sind. Dafür braucht es starke Cybersicherheitsmassnahmen und klare Regeln zur Datenhaltung. Und klar ist: Verlässlichkeit und Sicherheit brauchen eine langfristige Perspektive. Swisscom investiert in der Schweiz jährlich bis zu 1,7 Milliarden Franken in die Infrastruktur sowie in Glasfaser-, Mobilfunk- und Informatiknetze. Ebenso wichtig sind die Partnerschaften mit mehr als 100 Elektrizitätswerken und Gemeinden im ganzen Land. Planen Swisscom, Gemeinden und Energieversorger Tiefbauarbeiten gemeinsam, lassen sich Stromkabel, Trinkwasserleitungen, Abwasserkanäle und Kommunikationsnetze koordiniert verlegen. Bestehende Verteilnetze helfen zudem, abgelegene Gebiete schneller zu erschliessen. Strassen müssen weniger oft aufgerissen werden, die Belastung für die Bevölkerung sinkt und die Mittel werden effizienter eingesetzt.
Ein gut ausgebautes Netz erhöht die Produktivität, zieht Investitionen an und schafft Entwicklungsmöglichkeiten in allen Regionen. Das gilt insbesondere für meinen Heimatkanton Tessin, wo Berge, Täler, Tunnel und abgelegene Ortschaften die Planung und den Betrieb von Kommunikationsnetzen zu einer Herausforderung machen. Gerade dort verbessert eine leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur die Lebensqualität, stärkt den Tourismus und ermöglicht Unternehmen, auch ausserhalb der Zentren erfolgreich zu arbeiten. Strassen und Eisenbahnen verbinden Orte; Kommunikationsnetze verbinden Menschen, Ideen und Chancen.
Damit auch künftige Generationen überall in der Schweiz leben, arbeiten und innovativ sein können, müssen wir diese unsichtbare Infrastruktur deshalb verlässlich weiterentwickeln. Gute Kommunikationsverbindungen und eine zuverlässige Netzabdeckung sind heute weit mehr als ein Wettbewerbsvorteil. Sie bilden eine Grundlage für den Wohlstand und den Zusammenhalt der Schweiz.
Zur Person: Stefano Dell’Era (59) ist seit Herbst 2024 Delegierter für Public Affairs & Media Relations für die Südschweiz bei Swisscom. Er lebt und arbeitet im Tessin und ist seit 34 Jahren für das Unternehmen tätig.
Diese Kolumne ist erstmals am 31.10.2026 in der Schweiz am Wochenende erschienen.